Zeitplan: Gesetzesänderungen in der digitalen Wirtschaft 2026++

INHALT

Eine umfassende Übersicht über aktuelle und kommende Regulierungen mit Umsetzungsfristen, Betriebsgrößen und Anforderungen für Unternehmen in Deutschland und der EU.

Die digitale Wirtschaft steht vor der größten regulatorischen Welle seit der DSGVO. Bis 2027 treten zahlreiche EU-Verordnungen in Kraft, die nahezu jeden Aspekt digitaler Geschäftsmodelle betreffen – von Cybersicherheit (NIS-2, Cyber Resilience Act) über Künstliche Intelligenz (AI Act) bis hin zu Datenzugang (Data Act) und Produkttransparenz (Digital Product Passport). Besonders kritisch: Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) wird bereits am 28. Juni 2025 verbindlich, während die NIS-2-Richtlinie seit Dezember 2025 sofort gilt und über 30.000 Unternehmen in Deutschland betrifft. Die Umsetzungsfristen sind eng getaktet – Handeln ist jetzt gefordert.

Dieser umfassende Zeitplan bietet klare Orientierung: Chronologische Übersicht aller Stichtage von heute bis 2030, konkrete Angaben zu Betriebsgrößen und Schwellenwerten, Priorisierung nach Dringlichkeit sowie direkte Links zu offiziellen Quellen. Zielgruppen sind Geschäftsführer, Compliance-Teams, IT-Verantwortliche und alle Unternehmen mit E-Commerce, Online-Diensten oder IoT-Produkten. Nutzen Sie diesen Leitfaden als Fahrplan für Ihre Compliance-Strategie – damit Sie rechtzeitig vorbereitet sind und Bußgelder vermeiden.

GESETZE
DE & EU

Die regulatorische Transformation der digitalen Wirtschaft

1.

Zeitplan

Kommende Regulierungen im Zeitplan

Bereits in Kraft

Seit 25. Mai 2018

DSGVO

Betriebsgröße: Alle Unternehmen
DSB ab: 10 MA (sensible Daten) / 20 MA (automatisiert)
Status: Vollständig anwendbar

Seit 25. Mai 2018

Seit 17. Feb 2024

Digital Services Act (DSA)

Betriebsgröße: Alle digitalen Dienste
VLOPs: ≥45 Mio. Nutzer/Monat
Pflichten: Content-Moderation, Transparenz, Beschwerdesystem

Seit 17. Feb 2024

Seit 6. Dez 2025

NIS-2 Richtlinie

Betriebsgröße: ≥50 MA ODER ≥10 Mio. € Umsatz
Betroffene: ~30.000 Unternehmen in DE
Meldepflicht: Sicherheitsvorfälle binnen 24h/72h

Seit 6. Dez 2025

> 2025

28. Juni 2025

BFSG – Barrierefreiheit

Betriebsgröße: Alle (Ausnahmen für Kleinstunternehmen möglich)
Betrifft: Websites, Online-Shops, E-Commerce
Standard: WCAG 2.1 Level AA

28. Juni 2025

2. Feb & 2. Aug 2025

AI Act – Phase 1

Feb: Verbotene KI-Praktiken
Aug: GPAI-Modelle, Governance-Regeln
Betrifft: Alle KI-Anbieter und -Betreiber

2. Feb & 2. Aug 2025

Zurückgezogen Feb 2025

ePrivacy-Verordnung

Status: Nach 8 Jahren Verhandlung aufgegeben
Folge: ePrivacy-RL (2002) bleibt gültig
Deutschland: TDDDG bleibt Rechtsgrundlage

Zurückgezogen Feb 2025

>> 2026

Ab 2026

Digital Product Passport

Phase 1: Batterien (Industrie & Auto)
Betrifft: Hersteller, Importeure, Händler
Inhalt: Material, Herkunft, CO2, Recycling

Ab 2026

2. Aug 2026

AI Act – Phase 2

Hochrisiko-KI: Vollständige Anforderungen
Pflichten: CE, Risikomgmt., Dokumentation
Governance: QM-System, Post-Market-Monitoring

2. Aug 2026

12. Sep 2026

Data Act – Design-Pflichten

„Access by Design“: Für ALLE neuen IoT-Produkte
Pflicht: APIs für Datenzugriff
Betrifft: Smart Home, Wearables, Industrial IoT

12. Sep 2026

11. Sep 2026

CRA – Meldepflichten

Meldepflicht: Schwachstellen & Vorfälle
Frist: Aktiv ausgenutzt: 24h | Schwer: 72h
Betrifft: Hersteller digitaler Produkte

11. Sep 2026

>> 2027

11. Dez 2027

Cyber Resilience Act (CRA)

Betrifft: ALLE Produkte mit digitalen Elementen
„Secure by Design“: Sicherheit ab Entwicklung
Pflichten: CE-Kennzeichnung, Updates (5 Jahre), Schwachstellen-Mgmt.
Strafen: Bis 15 Mio. € oder 2,5% Weltumsatz

11. Dez 2027

2. Aug 2027

AI Act – Legacy GPAI

Übergangsregelung: Für bestehende GPAI-Modelle
Compliance-Deadline: Alte Modelle nachrüsten
Betrifft: Vor Inkrafttreten platzierte Modelle

2. Aug 2027

2027-2028

DPP – Textilien

Phase 2: Textilien und Bekleidung
Weitere Phasen: Elektronik (2028-29), Möbel (2029-30)
Ziel: ~30 Produktkategorien bis 2030

2027-2028

11. Sep 2026

CRA – Meldepflichten

Meldepflicht: Schwachstellen & Vorfälle
Frist: Aktiv ausgenutzt: 24h | Schwer: 72h
Betrifft: Hersteller digitaler Produkte

11. Sep 2026
2.

DSGVO

Datenschutz-Grundverordnung
3.

DSA

Digital Services Act
  • Status: In Kraft seit 16. November 2022
  • Vollständige Anwendbarkeit:
    • Für VLOPs/VLOSEs: seit 25. August 2023
    • Für alle anderen Dienste: seit 17. Februar 2024
  • Betriebsgröße:
    • Alle Anbieter digitaler Dienste
    • Besondere Pflichten für „Very Large Online Platforms“ (VLOPs) mit ≥45 Mio. monatlichen Nutzern in der EU
  • Hauptpflichten:
    • Transparenz bei Content-Moderation
    • Schutz vor illegalen Inhalten
    • Beschwerdemanagementsystem
    • Marktplätze: Verifizierung von Händlern
  • Weitere Informationen:
4.

NIS-2-Richtlinie

Cybersicherheit

  • Status: In Kraft getreten am 6. Dezember 2025
  • Gilt sofort (keine Übergangsfrist für Unternehmen)
  • Betriebsgröße:
    • ≥50 Mitarbeiter ODER
    • ≥10 Mio. € Jahresumsatz/Bilanzsumme
  • Betroffene Sektoren:
    • Kritische Infrastrukturen (Energie, Verkehr, Gesundheit, Wasser, Finanzwesen)
    • Wichtige Sektoren (Post, Abfall, Chemikalien, Lebensmittel, IT-Dienste, digitale Anbieter)
    • Über 30.000 Unternehmen in Deutschland betroffen
  • Hauptanforderungen:
    • Risikomanagement für Cybersicherheit
    • Meldepflicht bei Sicherheitsvorfällen (24h Erstmeldung, 72h Detailbericht)
    • Governance: Geschäftsführung persönlich verantwortlich
    • Schulungen für Mitarbeiter
  • Strafen: Bis zu 10 Mio. € oder 2% des weltweiten Jahresumsatzes
  • Weitere Informationen:
5.

BFSG

Barrierefreiheitsstärkungsgesetz

  • Stichtag: 28. Juni 2025
  • Betriebsgröße: Alle Unternehmen (keine Ausnahmen nach Größe)
  • Ausnahmen:
    • Kleinstunternehmen (<10 Mitarbeiter UND <2 Mio. € Jahresumsatz) nur wenn „unverhältnismäßige Belastung“
    • Dienstleistungen, die bereits vorher erbracht wurden: Übergangsregelung bis 2030
  • Betroffene Produkte:
    • Computer, Smartphones, Tablets
    • E-Book-Reader, Selbstbedienungsterminals (Geldautomaten, Fahrkartenautomaten)
    • Telefondienste, audiovisuelle Mediendienste
  • Betroffene Dienstleistungen:
    • E-Commerce/Online-Shops
    • Elektronische Kommunikation
    • Bankdienstleistungen
    • Personenverkehrsdienste
  • Hauptanforderungen:
    • WCAG 2.1 Level AA für digitale Inhalte
    • Alternativtexte für Bilder
    • Tastaturnavigation
    • Ausreichende Kontraste
    • Vorlesefunktionen
    • Barrierefreie Dokumentation
  • Weitere Informationen:
6.

AI Act Phase 1

KI-Verordnung

  • Inkrafttreten: 1. August 2024
  • Verbotene KI-Praktiken: seit 2. Februar 2025
  • GPAI-Modelle & Governance: 2. August 2025
  • Betriebsgröße: Alle Anbieter und Betreiber von KI-Systemen
  • Risikokategorien:
    • Verboten: Social Scoring, biometrische Echtzeit-Fernidentifikation im öffentlichen Raum (mit Ausnahmen)
    • Hochrisiko (Anhang III): Biometrische Identifikation, kritische Infrastruktur, Bildung, Beschäftigung, Strafverfolgung
    • Generative KI (GPAI): Transparenzpflichten, Dokumentation
    • Minimales Risiko: Keine spezifischen Anforderungen (nur generelle Transparenz)
  • Weitere Informationen:
7.

Data Act Phase 1

Datenportabilität

8.

DPP - Batterien

Digital Product Passport
  • Start: Ab 2026 (gestaffelt bis 2030)
  • Erste Phase (2026/27):
    • Industrie- und Automobilbatterien
    • Energieintensive Industrieprodukte
  • Betriebsgröße:
    • Alle Hersteller, Importeure und Händler betroffener Produktgruppen
    • Keine Mindestgröße, aber KMU-Unterstützung geplant
  • Hauptanforderungen:
    • Digitaler Pass mit QR-Code/RFID
    • Produktinformationen: Material, Herkunft, CO2-Fußabdruck
    • Reparatur- und Recyclinginformationen
    • Lieferketten-Transparenz
  • Kommende Produktgruppen (2027-2030):
    • Textilien (2027-2028)
    • Elektronik (2028-2029)
    • Möbel (2029-2030)
    • Etwa 30 Produktkategorien insgesamt
  • Weitere Informationen:
9.

AI Act Phase 2

KI-Verordnung

10.

Data Act Phase 2

Design-Pflichten

11.

CRA

Cyber Resilience Act – Meldepflichten

12.

AI Act Phase 3

KI-Verordnung

13.

Cyber Resilience Act

Cyber Resilience Act
  • Stichtag: 11. Dezember 2027
  • Betriebsgröße:
    • Alle Hersteller, Importeure und Händler
    • Besondere Unterstützung für KMU, Kleinstunternehmen und Start-ups vorgesehen
  • Betroffene Produkte:
    • Alle Hardware/Software mit Netzwerkverbindung
    • IoT-Geräte
    • Router, Firewalls
    • Smart Home Produkte
    • Industrielle Steuerungssysteme
    • Software-Produkte (auch Open Source bei kommerzieller Nutzung)
    • Browser, Betriebssysteme
  • Risikoklassen:
    • Standard: Selbstbewertung, CE-Kennzeichnung
    • Klasse I (wichtig): Passwortmanager, VPN, Antivirensoftware
    • Klasse II (kritisch): ICS/SCADA, Hypervisoren, PKI-Lösungen, Smart Meter
  • Hauptanforderungen:
    • Secure by Design (Sicherheit ab Entwicklung)
    • Schwachstellen-Management
    • Software-Updates (mindestens 5 Jahre)
    • CE-Kennzeichnung
    • Technische Dokumentation
    • Sicherheitshinweise für Nutzer
    • EU-Konformitätserklärung
  • Konformitätsbewertung:
    • Standard-Produkte: Selbstbewertung
    • Klasse I/II: Prüfung durch notifizierte Stelle
  • Strafen: Bis zu 15 Mio. € oder 2,5% des weltweiten Jahresumsatzes
  • Weitere Informationen:
14.

DPP

Digital Product Passport (DPP) – Weitere Phasen
  • 2027-2028: Textilien, Bekleidung
  • 2028-2029: Elektronik, Haushaltsgeräte
  • 2029-2030: Möbel, Chemikalien, weitere Produktgruppen
  • Ziel: Bis 2030 fast alle Produkte im EU-Markt mit DPP

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über den autor

Alexander Gräf

Fullstack-Entwickler, Entdecker und leidenschaftlicher Rätsellöser. Gründer und kreativer Kopf mit einer tiefen Begeisterung für Startups und die faszinierende Welt der virtuellen Realität (VR). Stets auf der Suche nach innovativen Lösungen und neuen Herausforderungen, um Technologie und Kreativität miteinander zu verbinden.

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